∂ιє кℓєιηє ѕcнωαℓвє

Ich betrachtete den blauen Himmel über mir.

Ich empfand ihn so unendlich weit und doch zum Greifen nah während die Sonne mein Gesicht wärmte und das dichte Gras meine Beine kitzelte.

Ein paar Schwalben jagten sich und flogen durch einzelne Wolken hindurch.

Ich wollte auch so frei sein und nicht eingesperrt in einem goldigen Käfig leben.

Ich musste weg.

Ich konnte nicht mehr länger verweilen sonst würde ich sie nie einholen können.

Meine Freunde. Meine richtige Familie und... Danilo.

So kehrte ich zu dem kleinen Häuschen am See zurück.

Dort traf ich auf Maria, bei der ich ein bisschen Geld dazu verdienen konnte,

indem ich ihr bei der Haushaltsarbeit half. Dazu konnte ich auch bei ihr übernachten. Wir waren trotz unseres Altersunterschiedes gute Freundinnen geworden deshalb wurde sie auch ziemlich verbissen mit der Zeit. Schon öfters wollte ich fortgehen, doch sie sagte, sie hätte niemanden ausser mir. Ich mochte sie sehr, doch sie hielt mich fest.

Sie war sehr alt, brauchte Hilfe ihm Haushalt und wenn sie niemanden mehr fand in dieser verlassener Gegend musste sie ins Pflegeheim. Also liess sie es gar nicht soweit kommen. Jetzt ging ich in ihren Garten und erblickte sie

in einem geflochtenen Stuhl sitzend. Sie schaute auf und lächelte mich an.

Es fiel mir schwer. Konnte ich ihr das wirklich antun?

Ich brachte kein Wort heraus und so wendete sie sich wieder ihrem Buch zu, das sie las. " Maria, ich muss dir was erklären obwohl ich nicht will. Vielleicht wirst du mich ja dann gehen lassen." Sagte ich vorsichtig. "Ach Grace, warum willst du nicht bei mir bleiben?" Erwiderte sie. " Dass sagte ich dir doch. Ich brauche meine Freiheit, ich wollte dir helfen, das stimmt. Doch jetzt muss ich zu meiner Familie zurück gehen."

Aus Marias Augen kamen Tränen zum Vorschein und brachen mir buchstäblich das Herz. Ich umarmte sie fest und sagte ihr, dass ich nicht gehen werde.

Aber abermals überraschte sie mich. Sie wischte ihre Tränen weg und sagte schluchzend:" Du hast recht. Du musst gehen so wie ich. Es tut mir leid. Du hättest schon viel früher zu deiner Familie gehen können, wäre ich nicht so ein sturer Kopf gewesen. Bitte denk an mich und besuch mich einmal." Wieder umarmten wir uns ganz fest und ich sagte:" Danke Maria, du wirst mir immer in Erinnerung bleiben." Dann hob ich meinen Kopf und verwandelte mich. Ich sah meine schwarzen Flügel und Marias erschrockenen Blick als ich dem Himmel entgegenflog. Ich wollte noch einen Abschiedsgruss sagen aber es kam nur ein Zwitschern aus meinem Schnabel.

Schon fliegte ich fröhlich hoch hinaus und sah das kleine Haus von Maria, den See und die Wiesen. Ich brauchte lange um meine Familie und meinen Freund Danilo zu finden. Doch schliesslich fand ich sie. Und als sie mich sahen, begrüssten sie mich umschwänglich und fragten mich, wo ich denn gewesen war und was ich die Ganze Zeit gemacht hatte. So fing ich an, ihnen von Maria zu erzählen. Sie bildeten sich ihre eigenen Meinungen von ihr mit dem Endergebnis, dass sie sie sehen wollten.

So suchten wir nach ihr. Doch als wir bei dem Häuschen angekommen waren fanden wir sie nicht. Wir trommelten alle Schwalben zusammen und fragten sie nach ihr. Aber keine konnte uns etwas sagen. Dann, am späten Abend kam eine ältere und sehr erfahrene Schwalbe an unser Dach geflogen und überbrachte uns die Mitteilung, dass sie in dem Pflegeheim war. Also machten wir uns beim Morgengrauen auf den Weg und schauten in alle Fenster des Heims rein. Nach einer Weile sah ich sie. Sie schlief in einem weissen Raum auf einem weissen Bett mit einer Menge von Schläuchen. Ihr Haar war grau-weiss und ihr Gesicht hatte schon viele Falten bekommen.

Das Fenster war einen Spalt weit offen und ich rief nach ihr.

Doch sie wachte nicht auf und so halfen mir die anderen sie wach zu kriegen.

Langsam stand sie auf und ging zum Fenster. Dort erblickte sie uns und ich begrüsste sie:" Maria, Maria wie geht es dir ? Ich bins Grace." Aber sie reagierte nicht und lächelte uns nur an. Mittlerweile begriff ich, dass sie uns nicht verstehen konnte sondern nur unseren Stimmen lauschte. So setzte sie sich jeden Morgen auf und lauschte unseren Stimmen mit geschlossenen Augen, gab uns Brotkrümmel und schützte uns vor den anderen Leuten, die uns vertreiben wollten.

Wir fühlten uns wohl bei ihr und sangen für sie, bis an die letzten Tage.♥